2019

THE OTHER IS ONESELF
Reflexionen über einen alternativen Gesellschaftsentwurf
Kuratiert von Fiona Liewehr


CONFERENCE
conceptualised and moderated by Isin Önol
13. – 14. Dezember, 2019
Franz Josefs Kai 3, 1010 Wien
Programm und Infos (pdf)


6. November bis 14. Dezember 2019
Eröffnung 5. November, 19–21 Uhr
Eintritt frei
Begleitprogramm siehe unten.

ÖFFNUNGSZEITEN:
Mo, Di, Do, Fr 12:00 bis 17:00 Uhr
Mi 12:00 bis 20:00 Uhr (und nach Vereinbarung)

Franz Josefs Kai 3, 1010 Wien

www.toio.org

Die vom Künstler Sébastien de Ganay gegründete Intitative The Other is Oneself versteht sich als eine ideele, kognitive Gemeinschaft für kulturellen Austausch die in Zusammenarbeit mit KünstlerInnen, FilmemacherInnen, Philosophen, WissenschaftlerInnen, einer NGO und der Zivilbevölkerung in einer Ausstellung mit abschließender Auktion, einem Filmprogramm, einer Publikation und einer internationalen Konferenz Themen wie Flucht, Vertreibung, Exil, die damit einhergehenden psychosozialen Konsequenzen und sich verändernden Identitätskonstruktionen thematisiert.
 
“Das eigentümliche einer Kultur ist, nicht mit sich selbst identisch zu sein.” formuliert Derrida in “L’autre cup” (1990).  Er versteht kulturelle Identität als eine Art, sich von sich selbst zu unterscheiden. Es gibt keinen Selbstbezug, keine Identifikation mit sich selber ohne Kultur –ohne eine Kultur des Selbst als Kultur des anderen, ohne eine Kultur des Von-sich-selber-sich-Unterscheidens. Wir alle brauchen die Unterscheidung durch die Identifikation des Anderen, des Fremden, um überhaupt als Selbst zu existieren. Erst im Spiegel des als fremd oder anders empfundenen Gegenübers vervollständigt sich das Bild meiner Selbst.
The Other is Oneself – Die Anderen, das sind wir selbst!
 
Die Ausstellung The Other is Onself basiert eben auf der Idee der Gemeinschaft in der Gegensätzlichkeit, des Respekts sowohl vor sich selbst als auch vor dem anderen, einem gelebten Miteinander statt einem Gegeneinander, in dem binärer Strukturen zwar nicht aufgelöst werden, aber ein Brückenschlag geschaffen wird. In varietate concordia – in Vielfalt geeint – im rund 600 qm großen Ausstellungsraum des FRANZ JOSEFSKAI 3, der sich auf verschiedenen Ebenen erstreckt, treten die Arbeiten von 26 internationalen KünstlerInnen aus dem Nahen Osten, aus Nordafrika, den USA, Südamerika  und Europa in einen gemeinsamen Dialog. Die versammelten Medien reichen von Film und Fotografie über installative und objekthafte Arbeiten, Malerei und auf Text basierende Papierarbeiten und Zeichnungen. Viele der in der Ausstellung vertretenen KünstlerInnen haben selbst Migrationshintergrund und mussten ihre Heimat an verschiedenen Zeitpunkten und aus unterschiedlichen Gründen wie Krieg, Diskriminierung, politischer oder religiöser Verfolgung, Armut und Perspektivenlosigkeit verlassen. Auch wenn die in der Ausstellung Themen wie Vertreibung und Exil verhandelt werden, fokussiert sie dennoch weder auf aktuelle Konflikte und kriegerische Auseinandersetzungen noch auf die lebensbdrohliche Flucht selbst sondern mehr auf die psychosozialen Konsequenzen und kognitiven Dissonanzen die Migrationsbewegungen auslösen können. Gefühle wie Hoffnung, Angst und Unsicherheit betreffen die Menschen auf beiden Seiten: diejenige die ihre Heimat und ihre Familien verloren haben und deren Wünsche und Träume auf eine bessere Welt an den geschlossenen Toren der Festung Europas oftmals scheitern und diejenige, die sich im eigenen Land mit einer Vielzahl traumatisierter Flüchtlingen konfrontiert sehen und deren Emotionen von bedingungsloser Hilfeleistung auf ein Leben in Sicherheit und Würde bis blanken Hass und Ablehnung aufgrund der Angst auf den eigenen sozialen Abstieg reicht. Solange die Spaltung in den Köpfen der Menschen, zwischen dem einen und dem anderen existiert, Partition statt Gemeinsamkeit, solange ist die Gefahr an Konflikten imminent. Speziell in Zeiten in denen weltweit immer mehr populistische Politiker in unterschiedlichen Teilen der Welt an die Macht kommen und demokratische und soziale Standards wie Menschenrechte, Presse- und Redefreiheit attakieren und mit einem Freund - Feind Antagonismus spielen schreitet die Dissonanz in der Gesellschaft voran. Umso wichtiger das Ziel von The Other is Oneself eine Atmosphäre des gegenseitigen Verständnis aufzubauen, eine temporäre kreative Gemeinschaft, in der die Vision wie wir in Zukunft zusammen leben wollen diskutiert und eine Reflexion über unser aller Identitätkonstruktion eröffnet werden kann.
 
Teilnehmende KünstlerInnen:
Iris Andraschek, Babi Badalov, Khaled Barakeh, Elisabetta Benassi, Nisrine Boukhari, Bernhard Cella, Adriana Czernin, Ramesh Daha, Sébastien de Ganay, Raffaella della Olga, Sylvia Eckermann, Simone Fattal, Anna Jermolaewa, Mirta Kupferminc, Thomas Locher, Jonathan Monk, Klaus Mosettig, Rudolph Polanszky, Hans Schabus, Slavs&Tatars, Gerold Tagwerker, Florian Unterberger, Martin Walde, Lawrence Weiner, Nil Yalter and Samia Ziadi.
 
Kuratorin: Fiona Liewehr



PROGRAMM

Kuratorenführung & Buchpräsentation
Mi., 20. November, 18:00 Uhr,
Franz Josefs Kai 3, 1010 Wien
Kuratorin Fiona Liewehr führt durch die Ausstellung.
Anschließend: Buchpräsentation THE OTHER IS ONESELF
 
Auktion
Fr., 22. November, Dorotheum, Dorotheergasse 17, 1010 Wien, www.dorotheum.at 
Kunstauktion für Hilfswerk International zugunsten syrischer Flüchtlinge im Libanon
www.hilfswerk.at
 
Filmprogramm
jeweils Samstag, 15.00 Uhr, Stadtkino im Künstlerhaus
 
Sa., 9. November, 15.00 Uhr
Amar Chebib  - Wajd – Songs of Separation
Dokumentarfilm, CAN, 2018, Farbe, DCP,
OFeUT, 87 Min.
 
Sa., 16. November, 15.00 Uhr
Sara Fattahi - Chaos
Spielfilm, AT/SY/LB/QA, 2018, Farbe, DCP, OFdUT, 95 Min.
Im Anschluss an den Film:
Sara Fattahi im Gespräch mit Claudia Slanar (in englischer Sprache).
 
Sa., 23. November, 15.00 Uhr
Alfoz Tanjour - A Memory in Khaki
Spieldokumentarfilm,, SY/QA/AT, 2016, Farbe, DCP, OFeUT, 108 Min.
Im Anschluss an den Film:
Alfoz Tajour im Gespräch mit Michelle Koch (in englischer Sprache).

Sa., 30. November, 15.00 Uhr
Ziad Kalthoum - Taste of Cement,
Dokumentarfilm,, DE/LB/SY/AE/QA, 2017, Farbe, DCP, OFeUT, 85 Min.
Stadtkino im Künstlerhaus
Akademiestraße 13, 1010 Wien,
www.stadtkinowien.at
 
Konferenz/Finissage
Fr., 13. Dezember, 14.00 – 19.00 Uhr
Barbara Coudenhove-Kalergi (Journalistin),
Samar Yazbek (Autorin), Isın Önol (Kunst- u.
Kulturtheoretikerin), Özge Ejder (Philosophin)
u.a.
 
Sa., 14. Dezember, 10.30 – 16.00 Uhr,
Lewis Johnson (Philosoph), Nil Yalter
(Künstlerin), Khaled Barakeh (Künstler),
Ramesch Daha (Künstlerin), Fiona Liewehr (Kunsthistorikerin und Kuratorin) u.a.
 
 
 
 
 
 
 

 
Programm-deutsch (pdf)

Program-english (pdf)

Images (72 MB)

The Other is Oneself
Conference (pdf)


Lawrence Weiner – ON BOARD THE SHIPS AT SEA ARE WE, 2018, Faber Castell Bleistift, Faber Castell Tusche auf gefaltetem Archivpapier, 54 x 69 cm
Lawrence Weiner – ON BOARD THE SHIPS AT SEA ARE WE, 2018, Faber Castell Bleistift, Faber Castell Tusche auf gefaltetem Archivpapier, 54 x 69 cm
Rudolf Polansky – RÖHREN SKULPTUR, 2011, diverse Materialien, Aluminium, Klebstoff, Plastik, Plexiglas, Stahl, 147 x 75 x 50 cm
Rudolf Polansky –
RÖHREN SKULPTUR, 2011, diverse Materialien, Aluminium, Klebstoff, Plastik, Plexiglas, Stahl, 147 x 75 x 50 cm
Jonathan Monk – The World in Safety Vests II, 2019, Stoffcollage, 144 x 244 cm
Jonathan Monk – The World in Safety Vests II, 2019, Stoffcollage, 144 x 244 cm
Sébastien de Ganay – Syrian Grid KOBANE, 2019, verzinkter Stahl, Lack, 180 x 270 x 16 cm
Sébastien de Ganay – Syrian Grid (KOBANE), 2019, verzinkter Stahl, Lack, 180 x 270 x 16 cm
Thomas Locher
Thomas Locher
Anna Jermolaewa – Found Object II, 2016 , Digitalprint, 119.5 x 80.5 cm
Anna Jermolaewa – Found Object II, 2016 , Digitalprint, 119.5 x 80.5 cm
Mirta Kupferminc – En Camino, 2001-2019, Print auf Hahnemühle Papier, Stift, 58 x 98 cm
Mirta Kupferminc – En Camino, 2001-2019, Print auf Hahnemühle Papier, Stift, 58 x 98 cm
Elisabetta Benassi – Mouchoir TERRA, 2019, Landkarte auf Seide, Plexiglas, 10 x 15 x 1.5 cm
Elisabetta Benassi – Mouchoir (TERRA), 2019, Landkarte auf Seide, Plexiglas, 10 x 15 x 1.5 cm
Hans Schabus – Ockergelb Ikarus, 2017, Aluminium, Eisen, 119 x 51 x 13 cm
Hans Schabus – Ockergelb (Ikarus), 2017, Aluminium, Eisen, 119 x 51 x 13 cm
Nil Yalter – EXILE IS A HARD JOB, 1976/2015, Digitalprint auf Textil, Neon, 276 x 335 cm Unikat
Nil Yalter – EXILE IS A HARD JOB, 1976/2015, Digitalprint auf Textil, Neon, 276 x 335 cm (Unikat)




 
FRANCIS RUYTER
“Hurricane / Time / Image”

Kuratiert von Mohammad Salemy

11 April - 9 May 2019
Eröffnung 10 April, 19-22 Uhr
Diskussion um 17.30 Uhr anschließend Führung mit dem Kurator.

FRANZ JOSEFS KAI 3: Franz Josefs Kai 3, 1010 Vienna Austria


Die Ausstellung Hurricane/Time/Image ermöglicht uns zu einem neuen Verständnis von Francis Ruyter's Malpraxis zu gelangen, indem sie seine neuen Werke mit einem flash-artigen Rückblick auf seine Anfangszeit aus den 1990er Jahren vereint. Kuratiert von Mohammad Salemy, beinhaltet diese Ausstellung Zeichnungen, Gemälde und Objekte aus den Jahren 1990–94 und 2015–19 sowie neue Darstellungsformen, einschließlich Projektionen und Reproduktionen des Archivquellenmaterials. Das Projekt findet im FRANZ JOSEFS KAI 3 statt, einem Ausstellungsraum, der parallel zum Angewandten Innovation Lab (AIL), einer Initiative der Universität für angewandte Kunst in Wien, läuft.

Hurricane/Time/Image soll ebenjene Erzählungen über künstlerische, ästhetische und berufliche Entwicklungen sowie die sozialen Bedingungen neu mischen, die die Produktion von Ruyters spezifischer Kunst und Subjektivität betreffen. Die chaotische Kraft der Technologie ist während des gesamten Schaffens eines Künstlers kontinuierlich am Werk und bringt dadurch die Beziehung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in neue Konstellationen. Anstatt die jüngsten Arbeiten zu nutzen, um aus Ruyters früherer Praxis einen neuen Sinn erkennen zu wollen, bringt die Austellung inhärente Anliegen, Themen und Motive ans Licht, die seit den Anfängen seiner Karriere in der Praxis des Künstlers zu finden sind.

Die neuen Werke arbeiten sich an dem digitalen Archiv der Farm Security Administration (FSA / OWI) in der Library of Congress ab, mit dem Ruyter sich seit 2009 auf verschiedensten Wegen beschäftigt, wobei er sich auf die von ihm gefundenen Fotografien konzentriert, die im Archiv unter dem Suchbegriff